Mittwoch nachmittags in LE – oder warum Stöcke Nägel töten.

Nun sind die Treffen mit dem Heki ja schon Standard-Repertoire geworden, die ich sehr genieße.
Zur Zeit sind die Zweibeiner damit beschäftigt uns mit neuer Umgebung zu verwöhnen.
So ging es heute in die “Harth”.

Ich höre betretenes Schweigen von Euch.
Ihr kennt doch die “Harth”, ihr Leipziger? Das ehemalige Ausflugsgebiet?


Ich hab mir mal hier das Bild einer alten Ansichtskarte “geborgt” – damit es Euch wieder einfällt. Wie ihr seht war die Harth von mächtigen Fichten, Kiefern und Eichen geprägt – ein Idylle eben.
Es war ehemalig ein leicht hügeliges, geschlossenes Waldgebiet (809 ha)  zwischen den Flutwiesen der Weißen Elster und der Pleiße, den Orten Zwenkau und Großdeuben.
Der Waldrand bei Großdeuben und Gaschwitz war mit Villen bebaut. Am Nordrand der Harth lag die Nerven- (später Lungen-) Heilanstalt Hartheck.
Bis 1921 das meist gewählte Wandergebiet der Leipziger, lag es doch nur ca. 10 km Luftlinie vom Zentrum (Marktplatz) der Reichsmessestadt entfernt. Es war also bequem in 2-4 Stunden Fußweg (durch den Auenwald) zu erreichen.
Jaja, früher seid auch ihr Zweibeiner noch zu Fuß gelaufen.
Außerdem bildete ein enges Netz von umliegenden Bahnhöfen in Großstädteln, Gaschwitz, Großdeuben, Böhlen oder Zwenkau die Möglichkeit eine Strecke mit der Eisenbahn zu bewältigen.

Dr. Gustav Schulze schrieb in bildhaften Worten über die Harth:
“Schon auf der Wanderung zur Harth findet der Naturfreund vieles, was sein Herz erfreut:
Breite, schattige Wege durch den hochstämmigen Auenwald oder enge, verschlungene Pfade durch Weiden- und Erlengebüsch, ständig wechselnde Bilder längs der zahlreichen Wasserläufe, lauschige Plätzchen an stillen, von Wasserlinsen überzogenen Altwässern, in entlegenen Talwinkeln und Flußschleifen, verträumte alte Wassermühlen  und efeuumsponnene Herrenhäuser [...]. So gelangt man auf immer neuen, immer schönen Wegen hinaus zur Harth. Und nun hat man doppelten Genuß …
Kerzengerade streben die Fichten und Kiefern zum Himmel empor, in geraden Reihen…. Gradlinig ziehen Schneisen und Wege dahin, weite Durchblicke gewährend, die dunklen ernsthaften Massen gesäumt von lichten, freundlichen Birken und Lärchen.”

(aus “Die Harth und ihr Wert für die Großstadt Leipzig, Mitteilung des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz, Heft 7 bis 10, Band XV, Dresden 1926)

Leider ist die alte Harth dem Wahnsinn der Industrialisierung zum Opfer gefallen.
Seit 1921 wurden -gegen den Willen der Mehrzahl der Leipziger – hier “braunes Gold” aus der Erde gebrochen. Obwohl die Harth nicht nur landschaftlichen Reiz hatte sondern auch wertvolle kulturgeschichtliche Zeugnisse barg wurde sie der Kohleförderung geopfert. Schlussendlich ließen die realsozialistischen Machthaber in Berlin im Tagebau Zwenkau zwischen 1955 und 1970  die Harth vollständig überbaggern und löschte sie von den Landkarten Sachsens. Obwohl es einen Vertrag von 1924 gab, der vorsah, dass die nördliche Harth wenigstens 50 Jahre vor sämtlichen Kohleabbauamaßnahmen geschützt zu sein hat.

Aber jetzt habe ich genug Geschichte gegeben:
Im Zuge der Rekultivierung des alten Bergbaugeländes nach 1990 wurden auf 930 ha Maßnahmen zur Wiederaufforstung getroffen. Die schnell wachsenden Pappeln werden nach und nach durch Eichen, Eschen, Linden, Ahorn, Hainbuchen, Kiefern und Fichten ersetzt. Trotzdem wird es noch 50 Hundeleben (also ca. 500 Jahre) dauern bis der junge Wald in diesem nährstoffarmen Boden die Wuchshöhe des ehemaligen Harth-Waldes erreicht.
Die neue Harth ist -trotz der Probleme des steigenden Grundwassers- ein Beispiel für eine sozial-orientierte und ökologische Rekultivierung. Die “Neue Harth” liegt als Herzstück zwischen den Tagebauseen Zwenkauer See, Cospudener See, Markkleeberger See und dem Störmthaler See.
Also durfte ich heute durch die neu angelegten Wege traben und mit meinem FREUND Heki schnüffeln, spielen, knaubeln und kämpfen. Ich habe Euch ein paar Bilder eingestellt:

Irgendwann als ich mit dem Heki “platschquatsch” gemacht habe, ist mir der Nagel der linken Pfote abgebrochen. Ich habe das gleich gemerkt und bin ums Papi-Tier rumgeschlichen – aber der hat mich ignoriert.
MEIN NAGEL – schließlich bin ich ein Mädchen!
AUA – das tat richtig weh und ich hatte gar keine Lust mehr auf spielen und so.

Zu Hause hat das Papi-Tier sich dann um die blöde Kralle gekümmert und dafür gesorgt, dass es nicht mehr ganz so weh tut – kuckt ihr hier:

der abgebrochene Nagel

die kaputte Pfote

Alles in Allem bedanke ich mich bei den drei Zweibeinern für die freundliche Begleitung, das Beschäftigen, die Leckerli-Gaben.
Bei Mamitier und Papitier für den -wie immer zuverlässigen- Fahrservice.
Beim Opelpopel das er mal funktioniert hat, wenn man ihn braucht.
Bei den Ölkonzernen, dass es ein kostenintensiver Ausflug war, schließlich soll Luxus ja Geld kosten.

Bei “Haki”, der Hackfresse, ach nee, dem Heki für die lustige Zeit.
Ich hab dich ganz doll lieb Digga!

Dieser Artikel wurde Ihnen präsentiert von mir – dem Hetja-Tier. ;-)

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One Response to Mittwoch nachmittags in LE – oder warum Stöcke Nägel töten.

  1. Hecki-Chefin :) says:

    Liebe Hurrican-Familie,

    es war mal wieder Erlebnis und Spaß pur mit euch “on the road”.
    Das Heckitier war mehr als kaputt, als wir zuhause waren…

    Dann bis zum nächsten Mal–diesmal versuchen wir mal im
    Ganzen zurückzukommen! :)

    Liebe Grüße vom Hektorinator an sein Bullimädchen! <3

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